Nach einem gemeinsamen Lied mit Klavier- und Bratsche-Begleitung („Heilig, heilig, heilig“, Franz Schubert) bereitete ein kurzer Impulsvortrag die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf die Gesprächsphase in Gruppen vor. Hierbei machte die Referentin deutlich, dass der Begriff „heilig“ neben der offensichtlichen religiösen Komponente auch spirituelle, kulturelle, soziale und persönliche Aspekte hat. So sei beispielsweise die Bibel ein heiliges Buch für Christen, und auf spiritueller Ebene die Natur vielen Menschen heilig, da sie eine Quelle des Lebens und der spirituellen Verbundenheit darstelle. Darüber hinaus gelte kulturell in Demokratien z.B. die Freiheit als ein heiliges Gut, und schließlich im persönlichen Bereich sei vielen Menschen die Zeit mit der Familie heilig.
Nach dem unterhaltsamen Einstieg wurden die Anwesenden in der sich anschließenden Gruppenphase gebeten, die folgenden drei Fragen miteinander zu erörtern:
1. Was ist mir heilig?
2. Woher kommen diese heiligen Überzeugungen?
3. Wie beeinflussen meine Überzeugungen mein tägliches Leben?
Am Ende fanden sich alle Teilnehmer noch zu einem großen Gesprächskreis zusammen, in dem einige Schwerpunkte der Gruppenphase den anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern vorgestellt wurden.
Hierbei wurde u.a. deutlich, dass vielen Anwesenden insbesondere religiöse Aspekte wichtig sind. Genannt wurde als „heilig“ beispielsweise alles, was besonders wertvoll und herausgehoben ist, Gott, die Bibel, der Glaube, die 10 Gebote, das kirchliche Amt, der Gottesdienst und die Predigt, der Altar, religiöse Gegenstände, Orte und die Natur. Auf der persönlichen Ebene wurden z.B. Gebete, Stille, besondere Momente, Musik, Talente und Gaben als heilig empfunden.
Was dem einzelnen heilig ist, verändere sich im Laufe des Lebens - so die mehrheitliche Meinung der Anwesenden. Man könne die Entwicklung von heiligen Überzeugungen am ehesten als lebenslangen Prozess beschreiben, der aufgrund individueller Erfahrungen und (Glaubens-) Erlebnisse, Begegnungen und Vorbilder beeinflusst werde.
Alle Gesprächsteilnehmerinnen und -teilnehmer waren sich ebenfalls darin einig, dass diese heiligen Überzeugungen Auswirkungen auf ihr alltägliches Leben hätten. Sie beeinflussten die Persönlichkeitsentwicklung, seien Entscheidungshilfen, da sie Grundwerte definieren und Orientierung geben. Sie würden helfen, Selbstwert, Gelassenheit, Gottvertrauen und Zuversicht zu haben, aber auch im Leben Prioritäten zu setzen. Da das Heilige vielfach als so positiv und hilfreich empfunden werde, äußerten einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer, dass sie das Bedürfnis hätten, diese Überzeugungen auch an andere weiterzugeben.
Der inspirierende Abend mit vielen persönlichen Momenten endete nach einem gemeinsam gesungenen Abschlusslied („Der Tag, mein Gott, ist nun vergangen“, Clement Cotterill Scholefield) mit einem kleinen Imbiss und schönen Augenblicken des Zusammenseins.
Text: Dr. Elke Müller-Schneck
Fotos: Petra Tibken